Modellfall Weißwasser
04
.
12
.
2018

masznehmen #1

In den Monaten September-Dezember unseres Projekts "Modellfall Weißwasser oder Das Masz aller Dinge" war viel passiert. Bevor mit Beginn der Werkstätten im Januar 2019 eine neue Zündstufe geschaltet worden war, war es für die Herren Wagenfeld und Neufert Zeit, wieder nach Weißwasser zu kommen, um "masz zu nehmen"!

Wir luden Sie am 11. Dezember 2018 herzlich ein denn um 17:15 Uhr startete die Aktion “masznehmen#1” in Weißwasser auf der Schnitterbrache . Dann hiess es "Licht an!", um nach Jahren der konfliktbesetzten Nachbarschaft zwischen Volkshaus und Neufert-Bau eine Lichtbrücke zu bauen. Es begrüßten Sie Wilhelm Wagenfeld (Heiner Bomhard) und Ernst Neufert (Sebastian Straub) sowie der künstlerische Leiter des Projekts, Stefan Nolte und Hendrik Scheel, Verantwortlicher für Installationen und Bühne.

Ernst Neufert:

Ja ja, vielen Dank Herr Kollege.

(Neufert und Wagenfeld verteilen Reis an die Anwsenden, jeder bekommt eine Handvoll.)

Wir brauchen etwas Stille. So. Danke! Das Zentrallager der Vereinigten Lausitzer Glaswerke –auch Neufert-Bau genannt –ist jetzt 81 Jahren alt. Und steht zugleich seit 24 Jahren leer.

Wilhelm Wagenfeld:

Das Volkshaus hier hat dieses Jahr seinen 90 Geburtstag gefeiert -und ist seit 14 Jahren außer Gebrauch. Es war lange Jahre Herz der Stadt. Viele von Ihnen werden sich erinnern, was früher in dem Haus stattfand: Kultur, Bildung, Zusammenkünfte und Vergnügen der Arbeiter –und aller anderen Stadtbürger –fanden in den Räumen des Volkshaus statt.

Ernst Neufert:

Das Zentrallager hier drüben war lange die Schnittstelle zwischen den Glasfabriken der VLG und Kunden in aller Welt. Es stand im Dienste der täglichen Arbeit und seiner schnellen und guten Verrichtung.

Wilhelm Wagenfeld:

Beide –Volkshaus und Neufertbau –haben Zeiten von Krankheit, Einsamkeit und Verfall hinter sich. Im Volkshaus hat es gebrannt, beim Neufertbau ist das Dach marode und teils eingefallen. Und beide Gebäude sind in der Vergangenheit gegeneinander ausgespielt worden.

Ernst Neufert:

Aber noch ist Geist in diesen Häusern! Und heute werden Sie Zeugen einer Solidarität, einer Verbindung zwischen diesen beiden wichtigen Orten der Glasmacherstadt!

Wilhelm Wagenfeld:

Und so fragen wir euch: Willst du, Volkshaus, geboren im Jahre 1926 als gemeinsames Kind der Gewerkschaften und des Architekten Emil Lange, ein Zeichen geben des Neuanfangs?

Ernst Neufert:

Und willst du, Zentrallager, genannt auch Neufertbau, geboren im Jahre 1936, gemeinsames Kind der Vereinigten Lausitzer Glaswerke und des Architekten Ernst Neufert, ein Zeichen geben des Neubeginns?

Das Licht fängt an zu blinken.

Dann erkläre ich hiermit die Verbindung für geschlossen.

Wilhelm Wagenfeld:

Die Lichtbrücke ist eröffnet!WW und EN werfen Reis in Richtung der beiden Häuser.Sie dürfen den Reis jetzt werfen!Zuschauer werfen den Reis.

Trompeterin Rotta spielt (Hochzeitsmarsch „Treulich geführt“)

Text:Paul Brodowsky

.

Im Anschluss konnten Sie sich auf die Enthüllung der "Bautafel-Masznahme" freuen. Stellvertretend für die Bauschilder, die sich ab diesem Tage an sieben Orten der Stadt befinden,wurde die Tafel vor dem Neufert-Bau von Prof. Neufert enthüllt.

Alle 7 Bautafeln finden Sie auf den Ortsseiten.

Und´dann waren Sie gespannt, ab 18:00 Uhr im MASZLADEN bei Glühwein, Tee und Keksen erstmalig einer Lesung aus dem Werk von Wilhelm Lotz "Die Reise zu dem Glasbläsern" zu lauschen. Das Buch - 1938 erschienen - war ein Auftragswerk des damaligen künstlerischen Leiters der Vereinigten Lausitzer Glaswerke Wilhelm Wagenfeld und beschreibt, wie drei Besucher Weißwassers vom Gestalter persönlich durch die Glashütten des Ortes geführt werden. Aus heutiger Zeit ein geniales Marketingprodukt und zeitgenössisches Dokument!

Zu guter Letzt luden wir Sie ein, sich vom Projektteam die Ergebnisse der bisherigen Stadt-Recherchen berichten zu lassen. Hier erfuhren Sie auch, wie es ab Januar in den fünf Werkstätten Tanz, Theater, Musik, Installationen&Objekte und Film weitergehen würde..